Bill Glied (1930-2018)

Am 17. Februar 2018 ist der Auschwitz- und Dachau-Überlebende Bill Glied im Alter von 87 Jahren gestorben. Die KZ-Gedenkstätte trauert um einen engagierten jüdischen Zeitzeugen, der noch 2016 als einer der Nebenkläger im Prozess gegen den Auschwitz-Wachmann Reinhold Hanning mit seiner Aussage den Opfern des Holocaust ein Gesicht und eine Stimme verliehen hatte.

Bill Glied wurde am 6. September 1930 als Sohn einer jüdischen Familie im ehemaligen Jugoslawien geboren. Seine Eltern betrieben in Subotica, das heute zu Serbien gehört, eine gut etablierte Getreidemühle. Bill und seine Schwester Aniko wuchsen ohne Sorgen auf, bis 1941 die Region erst von Nazi-Deutschland erobert und dann an das verbündete rechtsautoritäre Ungarn abgetreten wurde. Die antisemitischen Diskriminierungen waren plötzlich Alltag und verschärften sich zusehends, bis die Familie gezwungen wurde, die Mühle aufzugeben. Als deutsche Truppen im März 1944 schließlich Ungarn besetzten, wurde die Familie mit vielen anderen jüdischen Mitbürgern in einem Viehwagon deportiert.

Nach Stationen in verschiedenen ungarischen Zwischenlagern kam Bill Glieds Familie am 28. Mai 1944 in Auschwitz an. An der Rampe sah er seine Mutter und seine damals achtjährige Schwester zum letzten Mal. Sein Vater und er wurden als „arbeitsfähig“ eingestuft und nach 20 Tagen voller Angst, Demütigung und Misshandlung in den Dachauer Außenlagerkomplex Kaufering transportiert. Dort mussten sie Zwangsarbeit beim Großbunkerbau für die geplante Untertageproduktion von Flugzeugen leisten. Beide erkrankten an Typhus – Sandor Glied starb kurz vor der Befreiung durch die amerikanische Armee. Bill Glied überlebte und wanderte als 17-Jähriger nach Kanada aus. Toronto wurde ihm zur neuen Heimatstadt.    

Bill Glied hatte drei Töchter und acht Enkelkinder. Ein Cousin Bill Glieds ist der Belgrader Künstler Nandor Glid, der in den späten 1960er Jahren das Internationale Mahnmal der KZ-Gedenkstätte Dachau entworfen hatte.  Als unermüdlicher Zeitzeuge war Bill Glied zuletzt anlässlich des Gedenktags der Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2013 in Dachau. Eindrucksvoll berichtete er im Rathaus von seinem Schicksal. Er wird in besonderer Erinnerung bleiben.

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