Pjotr Stepanowitsch Kudin (1924-2018)

Pjotr Stepanowitsch Kudin
© Gedächtnisbuch Dachau

Die KZ-Gedenkstätte Dachau trauert um Pjotr Stepanowitsch Kudin, der am 16. September 2018 im Kreise seiner Familie in seiner Heimatstadt Saporoschje verstorben ist.

Unmittelbar nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion schloss sich der damals 16-jährige dem Widerstand an und gründete mit Gleichgesinnten eine Jugendgruppe, die gegen die deutschen Anwerbeversuche für den Arbeitsdienst agitierte. Am 2. September 1943 wurde er aufgrund dieser Tätigkeit in seiner Heimatstadt Orehow verhaftet und am 5. Oktober 1943 durch die „Sipo Saporoschje“ in das KZ Dachau überführt.

Während seiner Haftzeit wurde der gelernte Schlosser Pjotr Stepanowitsch Kudin zur Zwangsarbeit bei den Messerschmittwerken im Außenlager Augsburg-Haunstetten sowie bei der Deutschen Luftfahrtforschungsanstalt im Außenlager Ottobrunn eingesetzt. Ebenso musste er in der Schlosserei der Waffen SS und in der Lagergärtnerei Zwangsarbeit leisten. Bei diesem Arbeitseinsatz wurde er von dem Kommandoführer so brutal misshandelt, dass er vorübergehend in das Krankenrevier des Lagers überstellt wurde. Nach eigener Aussage waren es Mithäftlinge aus dem Krankenrevier, die ihm vorübergehend eine Tätigkeit im Stubendienst des Krankenreviers verschafften und ihm durch diese leichte Tätigkeit die Möglichkeit gaben, sich von der Misshandlung zu erholen.

Pjotr Stepanowitsch Kudin gehörte zu den Häftlingen, die Ende April aus dem Stammlager auf den sogenannten „Todesmarsch“ in Richtung Alpen geschickt wurde.

Die Repatriierung in die Sowjetunion war für Kudin schwierig. Wie viele andere sowjetische Überlebende wurde auch er in seiner Heimat der Kollaboration verdächtigt und konnte erst 1954 nach Saporoschje zurückkehren. Trotz der immensen Widerstände, denen er sich ausgesetzt sah, studierte er und wurde ein erfolgreicher Ingenieur in seiner Heimatstadt.

Ab den 1990er Jahren war Pjotr Stepanowitsch Kudin regelmäßiger Gast bei den Jahrestagen der Befreiung des KZ Dachau. Er zeigte sich sehr daran interessiert, seine Geschichte mit Jugendlichen zu teilen. Seine detaillierten und anschaulich formulierten Schilderungen seiner Verfolgung sind außergewöhnliche Zeugnisse für die Arbeit der Gedenkstätte und anderer Akteure am Ort.

Pjotr Stepanowitsch Kudins Tod hinterlässt bei den Mitarbeiter/-innen der KZ-Gedenkstätte Dachau eine große Lücke. Wir werden seine herzliche Art und sein ansteckenden Humor, welchen er auch ohne eine gemeinsame Sprache vermitteln konnte, stets in bester Erinnerung behalten.

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